Jacquelin Bernardt
- Nordwestmecklenburg I
- CDU
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Antworten von Anne
Bildung & Medien
Antworten von Anne
Wie schaffen wir faire Lernbedingungen für alle Schüler*innen? Faire Lernbedingungen bedeuten für mich nicht, dass jedes Kind genau das Gleiche bekommt, sondern dass jedes Kind die Chance bekommt, seine Fähigkeiten zu entwickeln. Dafür brauchen wir ausreichend Lehrkräfte, verlässlichen Unterricht und gezielte Unterstützung dort, wo sie gebraucht wird. Dazu gehört für mich auch der Erhalt von Förderschulen, denn nicht für jedes Kind ist derselbe Lernort der richtige. Gleichzeitig müssen wir auch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler fördern. Gute Bildung darf weder vom Wohnort noch vom Geldbeutel der Eltern abhängen.
Wie wollen Sie einen respektvollen und kompetenten Umgang von Lehrkräften zu Schüler*innen sicherstellen? Schülerinnen und Schüler müssen darauf vertrauen können, von ihren Lehrkräften ernst genommen und respektvoll behandelt zu werden. Dafür brauchen wir eine gute Ausbildung, regelmäßige Weiterbildungen und eine Schulkultur, in der Probleme offen angesprochen werden können. Schülerinnen und Schüler brauchen klare Ansprechpartner, wenn etwas nicht gut läuft. Gleichzeitig gilt für mich ganz klar: Respekt funktioniert in beide Richtungen. Lehrkräfte genauso wie Schülerinnen und Schüler haben ein Recht darauf, respektvoll behandelt zu werden.
Wie wollen Sie die Qualität von Schulessen verbessern? Ich habe mein eigenes Schulessen tatsächlich als ziemlich gut in Erinnerung. 😊 So sollte es auch sein: ausgewogen, lecker, möglichst regional und für alle Familien bezahlbar. Wo das nicht allein über den Essenspreis möglich ist, halte ich auch eine öffentliche Unterstützung für sinnvoll. Gleichzeitig finde ich es wichtig, Kinder und Jugendliche selbst einzubeziehen – zum Beispiel durch Koch-AGs oder Workshops. Wer selbst kocht und Lebensmittel kennenlernt, entwickelt auch ein ganz anderes Verständnis für Ernährung.
Wie stehen Sie dazu, Chinesisch oder andere wichtig werdende Sprachen an Schulen als 2. Fremdsprache anzubieten? Englisch bleibt für mich die wichtigste Fremdsprache. Gleichzeitig finde ich es gut, wenn junge Menschen die Möglichkeit bekommen, auch Sprachen wie Chinesisch zu lernen. Ich arbeite selbst viel mit China und erlebe, welchen Unterschied Sprache und kulturelles Verständnis machen können. In Mecklenburg-Vorpommern wird es allerdings kaum möglich sein, für jede solche Sprache an jeder Schule ausreichend Lehrkräfte zu finden. Deshalb könnte ich mir bei entsprechendem Interesse auch schulübergreifende oder regionale Angebote vorstellen – gegebenenfalls ergänzt durch digitale Formate. Nicht jede Schule muss alles anbieten, aber interessierte Schülerinnen und Schüler sollten möglichst die Chance dazu bekommen.
Medienbildung & KI
Antworten von Anne
Wie stehen Sie zu einem eigenen Unterrichtsfach „Medienbildung“? Medienbildung gehört für mich heute selbstverständlich zur Bildung. Junge Menschen müssen lernen, Quellen zu hinterfragen, Falschinformationen zu erkennen, ihre eigenen Daten zu schützen und digitale Medien bewusst zu nutzen. Dafür braucht es aus meiner Sicht aber nicht zwingend ein zusätzliches Unterrichtsfach. Moderne Medienbildung sollte in den verschiedenen Fächern selbstverständlich mitgedacht werden. Dafür müssen auch die Rahmenpläne regelmäßig an die digitale Entwicklung angepasst und Lehrkräfte entsprechend aus- und weitergebildet werden. Entscheidend ist für mich, dass Medienkompetenz verbindlich und praxisnah vermittelt wird.
Was wollen Sie gegen Pornografie mit KI (Deepfakes) im Internet machen? Ich finde diese Entwicklung wirklich erschreckend. Wir sehen aktuell bereits, wie realistisch gefälschte Interviews oder Videos von Politikerinnen und Politikern aussehen können und wie schwer teilweise zu erkennen ist, was echt ist und was nicht. Wenn KI aber dazu benutzt wird, reale Menschen ohne deren Zustimmung in pornografischen Bildern oder Videos darzustellen, ist für mich eine absolute Grenze überschritten. Das geht gar nicht. Für die Betroffenen kann so etwas zutiefst verletzend und demütigend sein, und einmal verbreitete Inhalte lassen sich kaum wieder vollständig aus dem Internet entfernen. Hier brauchen wir aus meiner Sicht dringend einen klaren rechtlichen und politischen Rahmen, der Betroffene wirksam schützt, schnelles Handeln ermöglicht und auch Plattformen in die Verantwortung nimmt. Ich möchte gleichzeitig ehrlich sein: Wie man das technisch wirksam umsetzt und mit der rasanten Entwicklung von KI Schritt hält, kann ich nicht abschließend beantworten. Genau deshalb müssen Politik, IT-Fachleute und weitere Experten gemeinsam Lösungen entwickeln. Dass wir handeln müssen, steht für mich aber außer Frage.
Wie befähigen wir junge Menschen zu einem sicheren und konstruktiven Umgang mit KI? Ich erlebe gerade selbst, wie sehr KI unsere Arbeitswelt verändert, sowohl in meinem Beruf im technischen Vertrieb als auch in meiner Arbeit als Bürgermeisterin. Diese Entwicklung wird bleiben und sie wird sich weiter beschleunigen. Deshalb müssen Schülerinnen und Schüler früh lernen, KI sinnvoll und verantwortungsbewusst einzusetzen. Dabei geht es für mich nicht nur um junge Menschen. Wir alle müssen dazulernen: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Studierende, Professorinnen und Professoren, Beschäftigte und Arbeitgeber. Wir müssen lernen, KI zu nutzen, ohne ihr blind zu vertrauen – Ergebnisse analytisch hinterfragen, Quellen prüfen, sensible Daten schützen und wissen, wo die Grenzen dieser Technologie liegen. Das ist eine enorme Herausforderung, weil sich KI derzeit so rasant entwickelt, dass es schwer ist, überhaupt aktuell zu bleiben. Umso wichtiger ist kontinuierliche Weiterbildung.
M-V attraktiver machen; Ausbildung / Studium / Arbeit
Antworten von Anne
Wie machen wir Mobilität für junge Menschen bezahlbar? Mobilität bedeutet gerade für junge Menschen Freiheit und Selbstständigkeit. Ich bin dazu regelmäßig mit jungen Menschen und der Jungen Union im Austausch und weiß, wie wichtig dieses Thema ist. Gleichzeitig betrifft bezahlbare und verlässliche Mobilität natürlich auch ältere Menschen und Familien, gerade bei uns im ländlichen Raum. Wir haben bereits gute Ansätze. Die Einbindung des Deutschlandtickets in die Schülerbeförderung ist ein wichtiger Baustein. Auch das Rufbus-System ist für den ländlichen Raum eine gute Ergänzung. Solche flexiblen Angebote müssen wir weiterentwickeln und vor allem dafür sorgen, dass die Menschen sie kennen und unkompliziert nutzen können. Denn ein günstiges Ticket hilft am Ende nur, wenn tatsächlich ein Bus fährt. Zur Realität auf dem Land gehört für mich aber auch das Auto. Wenn man sieht, was ein Führerschein heute kostet, ist das für viele junge Menschen und Familien eine enorme Belastung. Deshalb finde ich es richtig, junge Menschen beim Erwerb des Führerscheins finanziell zu unterstützen. Mobilitätspolitik im ländlichen Raum darf nicht heißen: Auto oder ÖPNV. Wir brauchen beides: bezahlbar und alltagstauglich.
Wie wollen Sie die ÖPNV-Anbindungen im ländlichen Raum und das Schienen- und Radwegenetz ausbauen? Als Bürgermeisterin im ländlichen Raum erlebe ich sehr konkret, wie wichtig gute Verkehrsverbindungen sind und arbeite selbst daran, sie zu verbessern. Ich bin im engen Austausch mit unserem Nahverkehrsunternehmen Nahbus, greife Probleme aus der Gemeinde auf und versuche gemeinsam mit den Beteiligten konkrete Lösungen zu finden. Wir veranstalten zum Beispiel Informationsveranstaltungen zum Rufbus, denn das beste Angebot hilft wenig, wenn die Menschen nicht wissen, wie sie es nutzen können. Wir werden auf dem Land nicht überall einen Bus im Zehn-Minuten-Takt anbieten können. Aber wir brauchen verlässliche Hauptverbindungen, gute Anschlüsse und ergänzend flexible Angebote wie Rufbusse. Fahrpläne müssen sich dabei möglichst am tatsächlichen Alltag der Menschen orientieren: an Schule, Ausbildung, Arbeit und Freizeit. Auch beim Ausbau von Radwegen bin ich als Bürgermeisterin ganz konkret beteiligt. Wir müssen vorhandene Lücken im Radwegenetz schließen und sichere Verbindungen zwischen unseren Orten schaffen. Gerade im ländlichen Raum kann das Fahrrad auf kürzeren Strecken eine echte Alternative sein. ÖPNV, Bahn, Fahrrad und Auto müssen deshalb gemeinsam gedacht werden.
Wie wollen Sie bessere Standortfaktoren für Betriebe in M-V schaffen? Diese Frage liegt mir besonders am Herzen, weil ich selbst in einem großartigen mittelständischen Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern arbeite und täglich erlebe, was Unternehmen brauchen, um hier erfolgreich zu sein. Dazu gehören weniger Bürokratie, schnelle und verlässliche Verfahren, gut ausgebildete Fachkräfte, eine leistungsfähige Infrastruktur und auch eine bessere überregionale Verkehrsanbindung, auch an Flughäfen und wichtige Wirtschaftszentren. Gleichzeitig müssen wir viel stärker zeigen, was Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich bereits zu bieten hat. Daran arbeite ich auch selbst aktiv mit. Ich arbeite beispielsweise mit Invest in MV zusammen, sowohl als Bürgermeisterin als auch in meinem Hauptberuf. Ich organisiere Treffen und bringe Unternehmen, Forschung und potenzielle Partner zusammen. Bei Projekttreffen vor Ort erleben wir, dass auch große Pharma- und Forschungsunternehmen Interesse an unserem Standort haben und das bauen wir gezielt aus. Solche Netzwerke und Kooperationen müssen wir aus meiner Sicht weiter stärken. Durch meinen Beruf bin ich außerdem regelmäßig mit Unternehmen im Gespräch und erfahre unmittelbar, wo es Schwierigkeiten gibt. Diese Rückmeldungen gebe ich auch an die Politik weiter. Wirtschaftspolitik sollte aus meiner Sicht nicht nur über Unternehmen sprechen, sondern mit ihnen. Wir haben innovative mittelständische Unternehmen, Industrie, Handwerk und Forschung in Mecklenburg-Vorpommern. Wir müssen die Bedingungen schaffen, damit sie hier wachsen, investieren und gute Arbeitsplätze anbieten können. Damit junge Menschen sehen: Für eine interessante berufliche Zukunft muss man Mecklenburg-Vorpommern nicht verlassen. Und es lohnt sich auch, wiederzukommen. Genau das habe ich nämlich 2020 gedacht, als ich selbst noch in der Schweiz gelebt habe.
Wie können wir es jungen Menschen, die noch kein bzw. wenig Geld verdienen, erleichtern, günstigen Wohnraum zu finden? Bezahlbarer Wohnraum ist gerade für junge Menschen in Ausbildung oder Studium eine wichtige Voraussetzung dafür, überhaupt selbstständig werden zu können. Dafür müssen wir vor allem mehr Wohnraum schaffen, denn wenn das Angebot knapp ist, steigen die Preise. Dazu gehören Studenten- und Azubi-Wohnheime genauso wie kleine, bezahlbare Wohnungen. Gleichzeitig sollten wir starker auf den ländlichen Raum schauen. Dort gibt es durchaus Wohnraum, aber er nützt jungen Menschen wenig, wenn Ausbildungsbetrieb, Hochschule oder Berufsschule ohne Auto kaum erreichbar sind. Wohnen und Mobilität müssen deshalb zusammen gedacht werden. Wichtig finde ich außerdem, dass Bauen nicht durch immer mehr Vorgaben unnötig teuer wird. Wenn wir bezahlbare Wohnungen wollen, müssen wir auch darüber sprechen, was Bau, Sanierung und Vermietung heute so teuer macht. Für junge Menschen mit sehr geringem Einkommen brauchen wir zusätzlich gezielte Unterstützung.
Wie können wir Schüler*innen, Auszubildenden und Studierenden einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen? Junge Menschen müssen frühzeitig und unkompliziert mit Unternehmen und möglichen Arbeitgebern in Kontakt kommen. Ich bin mit meinem eigenen Unternehmen beispielsweise auf Hochschulmessen, Ausbildungsmessen und anderen Veranstaltungen unterwegs. Dabei merke ich immer wieder: Wir müssen jungen Menschen zeigen, was wir eigentlich Spannendes machen und welche beruflichen Möglichkeiten bei uns auf sie warten. Dafür braucht es beide Seiten. Unternehmen müssen rausgehen, sich zeigen, Praktika anbieten, mit Schulen und Hochschulen zusammenarbeiten und jungen Menschen echte Einblicke ermöglichen. Gleichzeitig möchte ich Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende ermutigen, solche Möglichkeiten auch wahrzunehmen, neugierig zu sein, nachzufragen und Dinge auszuprobieren. Und für mich gehört noch etwas dazu: Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Ein guter Einstieg ins Berufsleben hängt deshalb nicht nur von Zeugnissen ab, sondern auch von Motivation, Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Arbeitgeber müssen jungen Menschen Chancen geben – aber junge Menschen müssen diese Chancen auch ergreifen wollen. Ich bin überzeugt, dass wir in Mecklenburg-Vorpommern viel mehr berufliche Perspektiven haben, als viele junge Menschen wissen. Wir müssen sie sichtbarer machen und beide Seiten besser zusammenbringen.
Rechtsextremismus; Themen junger Menschen in M-V
Antworten von Anne
Wo sehen Sie Ihre Verantwortung beim Rechtsruck und was werden Sie zukünftig dagegen tun? Meine Verantwortung sehe ich zunächst darin, zuzuhören und politische Entscheidungen transparent und nachvollziehbar zu erklären. Das erlebe ich auch in meiner Arbeit als Bürgermeisterin: Menschen mitzunehmen ist manchmal anstrengend und braucht Zeit. Aber wenn eine Entscheidung getroffen wird, müssen wir erklären können, warum sie getroffen wurde, welche Alternativen es gab und welche Folgen sie hat. Nur so entsteht Vertrauen. Dabei sehe ich nicht nur die Politik, sondern auch die öffentliche Berichterstattung in der Verantwortung. Nicht jede Entscheidung muss sofort auf eine möglichst zugespitzte Schlagzeile reduziert werden. Ich wünsche mir häufiger eine sachliche Auseinandersetzung damit, warum Entscheidungen getroffen wurden und welche Argumente dahinterstehen. Zu einer Demokratie gehören unterschiedliche politische Meinungen. Es gibt Menschen, die eher links denken, andere stehen in der politischen Mitte und wieder andere eher rechts oder konservativ. Das ist völlig normal und gehört zu einer Demokratie dazu. Entscheidend ist, dass wir uns alle an die demokratischen Regeln halten und andere Meinungen akzeptieren können. Deshalb ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig: Politisch rechts oder konservativ zu sein, bedeutet nicht automatisch, rechtsextrem zu sein. Ich halte es für gefährlich, diese Begriffe miteinander zu vermischen. Wenn Menschen mit einer demokratischen, konservativen Meinung das Gefühl bekommen, allein deshalb als rechtsextrem bezeichnet zu werden, schadet das unserer politischen Debatte und kann das Vertrauen in unsere Demokratie weiter schwächen. Eine klare Grenze gibt es für mich dort, wo Extremismus beginnt. Rechtsextremismus genauso wie Linksextremismus haben in unserer Demokratie keinen Platz. Gewalt, Menschenfeindlichkeit oder die Ablehnung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung sind für mich nicht akzeptabel, egal aus welcher politischen Richtung. Deshalb halte ich auch politische Bildung für sehr wichtig. Junge Menschen sollten lernen, unterschiedliche politische Positionen einzuordnen, miteinander zu diskutieren, Widerspruch auszuhalten und Extremismus zu erkennen. Demokratie bedeutet nicht, dass wir alle derselben Meinung sein müssen. Demokratie bedeutet, dass wir unterschiedlich denken dürfen und trotzdem respektvoll miteinander umgehen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Wie stehen Sie zum AfD-Verbotsverfahren? Ein Parteienverbot ist für mich eines der schärfsten Mittel, die unsere Demokratie hat, und darf deshalb niemals aus politischem Kalkül eingesetzt werden. Ob eine Partei verfassungswidrig ist und die Voraussetzungen für ein Verbot erfüllt, muss auf Grundlage belastbarer Erkenntnisse geprüft und letztlich vom Bundesverfassungsgericht entschieden werden. Gleichzeitig bin ich skeptisch, ob ein Verbotsverfahren die politischen Probleme löst, die hinter den hohen Zustimmungswerten für die AfD stehen. Millionen Menschen und ihre Unzufriedenheit verschwinden nicht dadurch, dass man eine Partei verbietet. Politik muss sich vielmehr damit auseinandersetzen, warum so viele Menschen das Vertrauen in die etablierten Parteien verloren haben und was wir selbst besser machen müssen. Für mich gehört dazu, die AfD politisch und inhaltlich zu stellen, falschen oder extremistischen Aussagen klar zu widersprechen, aber gleichzeitig die Sorgen ihrer Wählerinnen und Wähler nicht pauschal abzuwerten. Wer demokratische Parteien stärken will, muss Menschen wieder davon überzeugen, dass ihre Probleme gesehen und gelöst werden. Unsere Demokratie muss wehrhaft sein, wenn ihre freiheitlich-demokratische Grundordnung tatsächlich angegriffen wird. Ein Parteienverbot darf für mich aber nicht zum Ersatz für die politische Auseinandersetzung werden.
Wie stehen Sie zu frei verfügbaren Periodenprodukten auf allen Toiletten? Ich sehe das eher kritisch. Natürlich verstehe ich den Gedanken dahinter: Niemand möchte plötzlich ohne ein benötigtes Periodenprodukt dastehen. Gleichzeitig gibt es heute eine sehr große Auswahl an Produkten und jede Frau hat ihre eigenen Vorlieben und Bedürfnisse. Ich halte es deshalb nicht für notwendig, flächendeckend auf allen Toiletten verschiedene Periodenprodukte kostenlos bereitzustellen. Dazu kommt die Frage der Finanzierung. Auch vermeintlich kleine kostenlose Angebote müssen am Ende dauerhaft von jemandem bezahlt und organisiert werden. Gerade bei öffentlichen Mitteln müssen wir Prioritäten setzen, und hier gibt es für mich wichtigere Aufgaben. Sinnvoll finde ich pragmatische Lösungen dort, wo tatsächlich Bedarf besteht, zum Beispiel ein kleines Notfallangebot an Schulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen. Aber eine kostenlose Vollversorgung auf allen Toiletten halte ich nicht für erforderlich.
In M-V gibt es immer mehr sehr arme und in Deutschland sehr reiche Menschen. Finden Sie das gerecht? Wenn nein, wie wollen Sie das ändern? Große soziale Unterschiede sehe ich vor allem dann kritisch, wenn Herkunft oder das Einkommen der Eltern darüber entscheiden, welche Chancen ein Mensch im Leben hat. Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich durch Bildung, Arbeit, Fleiß und eigene Ideen ein gutes Leben aufzubauen. Gleichzeitig finde ich es nicht ungerecht, wenn Menschen, die viel leisten, Verantwortung übernehmen oder unternehmerische Risiken eingehen, damit auch Wohlstand erreichen. Leistung muss sich lohnen. Zu einer gerechten Gesellschaft gehört für mich aber auch Solidarität. Wer krank wird, seinen Arbeitsplatz verliert oder aus anderen Gründen Unterstützung benötigt, muss sich auf unseren Sozialstaat verlassen können. Damit das dauerhaft funktioniert, müssen wir aber auch diejenigen im Blick behalten, die ihn finanzieren. Unser Sozialstaat kann nur funktionieren, wenn möglichst viele Menschen ihren Beitrag leisten und diejenigen, die arbeiten können, auch bereit sind, dies zu tun. Dazu gehört für mich auch eine gesteuerte Zuwanderung. Menschen, die zu uns kommen und hier arbeiten, sich integrieren und ihren Beitrag leisten wollen, können gerade angesichts unseres Fachkräftemangels eine große Bereicherung sein. Eine Zuwanderung, die hauptsächlich darauf ausgerichtet ist, Leistungen unseres Sozialsystems in Anspruch zu nehmen, dürfen wir dagegen nicht fördern. Sozialleistungen müssen den Menschen zugutekommen, die tatsächlich auf Unterstützung angewiesen sind. Und ich wünsche mir wieder mehr Anerkennung für diejenigen, die jeden Morgen aufstehen, arbeiten, Steuern und Sozialabgaben zahlen und damit einen erheblichen Teil unseres Gemeinwesens finanzieren. Wohlstand ist nichts, wofür man sich entschuldigen muss. Entscheidend ist für mich nicht, dass am Ende alle gleich viel haben, sondern dass alle faire Chancen bekommen, etwas aus ihrem Leben zu machen, Leistung sich lohnt und wir diejenigen auffangen, die unsere Hilfe wirklich brauchen.
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