Diana Goede
- 36 Jahre
- Mecklenburgische Seenplatte IV
- SPD
Wo feiern Sie am liebsten? Was ist für Sie ein feierlicher Ort?
Ehrlich: selten. Drei Kinder und Schichtdienst im Krankenhaus, da bleibt zwischen Frühdienst und Elternabend nicht viel übrig. Wenn ich feiere, dann im Garten: Grill an, gute Musik, Familie und Freunde. Das Wichtigste ist sowieso nie der Ort, sondern die Leute.
Feierlich kann fast jeder Ort werden. Eine Aula, eine Kirche, ein Garten, ein Festsaal. Das hängt am Anlass und daran, und dann am Ambiente.
Nutella-Brot mit oder ohne Butter?
Ohne. Alles andere ist merkwürdig. 🙂
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allgemeine Standpunkte
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Bildung & Medien
Antworten von Diana
Wie schaffen wir faire Lernbedingungen für alle Schüler*innen?
Fair heißt: Am Anfang haben alle die gleiche Chance. Heute hängt zu viel am Geldbeutel der Eltern. Wer Nachhilfe zahlen kann, kommt durch. Wer nicht, bleibt hängen. Als Mutter von drei Kindern sehe ich jeden Tag, wie schnell genau das passiert
Was ich will: kleinere Klassen, multiprofessionelle Teams an jeder Schule und kostenlose Förderung für alle, die sie brauchen, statt teurer Nachhilfe für die, die sie sich leisten können.
Und ich sage ehrlich dazu: Daran wird seit Jahren zu langsam gearbeitet, auch von Landesregierungen. Genau deshalb kandidiere ich.
Wie wollen Sie einen respektvollen und kompetenten Umgang von Lehrkräften zu Schüler*innen sicherstellen?
Ich bilde selbst junge Menschen aus. Respekt entsteht auf Augenhöhe, nicht durch Ansagen von oben. Und es ist nicht allein nur Charakterfrage, sondern eine Frage von Zeit und Ausbildung. Wer 28 Schülerinnen und Schüler (oder sogar mehr) allein unterrichtet und selbst am Limit ist, wird ruppig, auch ohne es zu wollen.
Deshalb: mehr Zeit, verpflichtende Fortbildung, Schulsozialarbeit an jeder Schule. Und Schüler*innen brauchen auch echte Wege, sich zu beschweren, wenn etwas schiefläuft. Mehr Schulsozialarbeit und feste Vertrauenspersonen an jeder Schule gehören für mich dazu. Eine unabhängige Beschwerdestelle beim Land wäre zusätzlich klasse.
Wie wollen Sie die Qualität von Schulessen verbessern?
Wer hungrig oder schlecht versorgt in der Schule sitzt, kann sich nicht konzentrieren. Als Krankenschwester sehe ich außerdem, wo schlechte Ernährung endet, und sie fängt im Kindesalter an.
Drei Dinge:
- Frisch und regional gekocht, nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Das Bio-Regional-Netzwerk für Verpflegung in Kita und Schule in MV zeigt, dass kleine Küchen vor Ort direkt beim Erzeuger einkaufen können: kurze Wege, frische Zutaten, die Wertschöpfung bleibt in der Region.
- Beitragsfrei. Ein Mittagessen darf nicht am Einkommen der Eltern scheitern.
- Schüler*innen entscheiden mit. Nicht nur abstimmen, sondern mitplanen und mitkochen. Wer selbst kocht, lernt fürs Leben, was ihm guttut. Das ist mehr wert als jede Broschüre.
Wie stehen Sie dazu, Chinesisch oder andere wichtig werdende Sprachen an Schulen als 2. Fremdsprache anzubieten?
Eine spannende Frage. Grundsätzlich ja, denn mehr Auswahl ist gut und unser Bildungssystem auf die Zukunft auszurichten ist längst überfällig, nicht nur im Sprachbereich. Das Problem ist nur: Eine Schule in Mirow oder anderen kleineren Orten wird vermutlich keine eigene Chinesisch-Lehrkraft finden. Deshalb bin ich dafür, solche Sprachen landesweit digital anzubieten. Eine Lehrkraft, mehrere Schulen zugeschaltet, mit einer Ansprechperson vor Ort. So hängt das Angebot nicht mehr an der Schulgröße. Das würde genauso für andere Fächer funktionieren.
Medienbildung & KI
Antworten von Diana
Wie stehen Sie zu einem eigenen Unterrichtsfach „Medienbildung“?
Medienkompetenz muss fester Teil des Unterrichts sein. Ein eigenes Fach halte ich trotzdem für den falschen Weg. Besser: durchgehend in allen Fächern integrieren, ab Klasse 1, jeweils passend zum Alter. Z.b. in Deutsch: Wie unterscheide ich Meinung und Fakt? Wie kann KI mir im Alltag helfen? Geschichte: Wie funktioniert Propaganda? Kunst: Wie wird ein Bild manipuliert, aber auch: Wie kann ich KI gestalterisch nutzen?
Entscheidend ist ohnehin etwas anderes. Die Lehrkräfte müssen dafür ausgebildet sein und die Stunden müssen wirklich da sein. Ein Fach auf dem Papier, das niemand unterrichten kann, hilft keinem.
Was wollen Sie gegen Pornografie mit KI (Deepfakes) im Internet machen?
Das ist keine Spielerei, das ist Gewalt, die insbesondere Mädchen und Frauen. Solche Bilder/ Videos gehören klar unter Strafe.
Leider ist die Rechtslage noch löchrig. Das Verbreiten ist teilweise strafbar, das Herstellen bisher nicht. Der Bund arbeitet gerade an einem Gesetz gegen digitale Gewalt. Das muss kommen, und zwar schnell. Plattformen müssen verpflichtet werden, solche Inhalte in Stunden zu löschen, nicht in Wochen.
Das Land ist an anderer Stelle am Zug, nämlich was drumherum passiert: Aufklärung an Schulen, bevor etwas geschieht, und Beratung für Betroffene, ohne Monate Wartezeit.
Wie befähigen wir junge Menschen zu einem sicheren und konstruktiven Umgang mit KI?
Verbieten bringt nichts, befähigen schon. Junge Menschen wachsen heute mit KI auf, also müssen sie die Chance haben zu lernen, sie zu nutzen und zu durchschauen. Das gehört in die Schule: Chancen, Grenzen, Quellen prüfen. Und dafür müssen wir zuerst die Lehrkräfte fit machen, sonst hängen sie den Schüler*innen hinterher.
M-V attraktiver machen; Ausbildung / Studium / Arbeit
Antworten von Diana
Wie machen wir Mobilität für junge Menschen bezahlbar?
Konkret: ein günstiges Nahverkehrsticket für alle unter 27. Also Schüler*innen, Azubis, Studierende und alle im Freiwilligendienst. Heute zahlen Azubis in MV 43 Euro im Monat, das Land legt 20 Euro dazu. Das ist ein Anfang, aber es gilt nur für einen Teil der jungen Leute.
Wer zur Schule, zur Ausbildung oder zum Training muss, darf nicht am Portemonnaie scheitern. Das ist fair.
Und ein Ticket nützt nichts, wenn kein Bus fährt. Dazu weiter in der nächsten Frage.
Wie wollen Sie die ÖPNV-Anbindungen im ländlichen Raum und das Schienen- und Radwegenetz ausbauen?
Ich lebe hier. Ich weiß, dass abends und am Wochenende in vielen Dörfern schlicht kein Bus fährt. Und dass Eltern dann Taxi spielen, wenn sie können, und die Jugendlichen zu Hause bleiben, wenn sie es nicht können.
Was hilft: Rufbusse und bedarfsgesteuerter Verkehr überall dort, wo sich ein fester Takt nicht rechnet. Anschlüsse, die zur Bahn passen, statt fünf Minuten daneben. Und Radwege, die auch dann sicher sind, wenn ein Zwölfjähriger allein zur Schule fährt. Da ist an einigen Landstraßen bei uns noch Luft.
Mobilität auf dem Land entscheidet, ob junge Leute bleiben oder gehen. Das ist keine Verkehrsfrage, das ist eine Zukunftsfrage.
Wie wollen Sie bessere Standortfaktoren für Betriebe in M-V schaffen?
Betriebe bleiben da, wo sie Fachkräfte finden. Und Fachkräfte bleiben da, wo Kita, Schule, Wohnung, Bus und Internet stimmen.
Aus meinem eigenen Beruf weiß ich, was hält: hier ausbilden statt nur suchen, faire Bedingungen und die klare Zusage, danach übernommen zu werden. Wer jemanden drei Jahre ausbildet und dann befristet, verliert ihn an Hamburg.
Weniger Bürokratie, bezahlbare Energie und gute Verkehrsanbindung helfen Unternehmen, aber ohne lebenswerte Orte drumherum nützen sie nichts. Kurzum: um Betriebe in MV anzusiedeln und zu halten, müssen wir vor Ort alle Einflussfaktoren mitdenken und hier ist es meiner Auffassung nach die Aufgabe der Politik, Menschen vor Ort zusammenzubringen, Perspektiven zu bündeln und eine gemeinsame Vision zu entwickeln.
Wie können wir es jungen Menschen, die noch kein bzw. wenig Geld verdienen, erleichtern, günstigen Wohnraum zu finden?
Bei uns steht Wohnraum leer, und gleichzeitig findet ein Azubi in vielen Orten nichts Bezahlbares. Das passt nicht zusammen.
Deshalb: Leerstand herrichten statt verfallen lassen, kommunalen und sozialen Wohnungsbau fördern und Wohnheime für Azubis und Studierende dort bauen, wo ausgebildet wird. Das Land kann dafür Geld und Anreize geben. Die Kommunen können das allein nicht stemmen.
Wie können wir Schüler*innen, Auszubildenden und Studierenden einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen?
Früh und echt. Ich hole selbst junge Leute in die Pflege und sehe: Ein Praktikum, in dem man wirklich mitmachen darf, überzeugt mehr als jede Berufsmesse.
Was ich will: verpflichtende, gute Berufsorientierung ab Klasse 8, Praktika bei Betrieben vor Ort, eine Ausbildungsgarantie für alle, die keinen Platz finden, und die klare Aussicht, danach übernommen zu werden.
Rechtsextremismus; Themen junger Menschen in M-V
Antworten von Diana
Wo sehen Sie Ihre Verantwortung beim Rechtsruck und was werden Sie zukünftig dagegen tun?
Meine Verantwortung ist, Politik zu machen, die vor Ort tatsächlich ankommt. Wenn der Bus nicht fährt, die Miete steigt und man Monate auf einen Facharzttermin warten muss, dann gewinnt der, der am lautesten sagt, dass alles kaputt ist.
Ich mache es mir aber nicht so einfach, das nur mit Frust zu erklären. Menschenverachtung ist eine Entscheidung, keine Reaktion.
Deshalb widerspreche ich. Nicht bei Großdemos, sondern da, wo es tatsächlich passiert: auf Arbeit, an der Kasse im Supermarkt, am Strand, und seit meiner Kandidatur täglich in den Kommentarspalten. Das ist unbequem und macht keinen Spaß. Aber wenn niemand widerspricht, wird so ein Satz zur Normalität.
Und mit meiner Kandidatur mache ich ein Gegenangebot: nah dran, ansprechbar, mit echten Lösungsvorschlägen statt Empörung.
Wie stehen Sie zum AfD-Verbotsverfahren?
Ich bin dafür, dass der Antrag gestellt wird. Ein Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte vom Juni 2026 legt auf rund 1.500 Seiten dar, warum die Erfolgsaussichten gut sind.
Ehrlich ist aber auch: Ein Verfahren kann scheitern, und dann inszeniert sich die AfD als Opfer. Und selbst ein erfolgreiches Verbot löst kein einziges Problem, das Leute zu ihr treibt. Ein Verbot ist eine Notbremse, kein Programm.
Die eigentliche Arbeit bleibt: sie inhaltlich stellen und Vertrauen zurückgewinnen. Das ist mühsamer als ein Gerichtsurteil. Aber es ist unsere Aufgabe!
Wie stehen Sie zu frei verfügbaren Periodenprodukten auf allen Toiletten?
Klar dafür. Ich bringe mir ja auch kein Toilettenpapier mit aufs öffentliche Klo.
Die Periode sucht man sich so wenig aus wie den Gang zur Toilette. Tampons und Binden sind kein Luxus, sondern Grundbedarf. Es kostet wenig, nimmt Scham und ist schlicht eine Frage des Anstands. Ich unterstütze die Forderung des Landesschülerrats MV, das an den Schulen im Land zu ändern.
In M-V gibt es immer mehr sehr arme und in Deutschland sehr reiche Menschen. Finden Sie das gerecht? Wenn nein, wie wollen Sie das ändern?
Nein. In MV sind 18,7 Prozent der Menschen armutsgefährdet, also fast jede*r Fünfte. Bundesweit sind es 16,1 Prozent. Besonders betroffen sind junge Frauen und Alleinerziehende.
Ich kenne das aus meiner Anfangszeit in der Pflege: systemrelevant sein und am Monatsende trotzdem rechnen. Wer arbeitet, muss davon leben können. Dafür braucht es Tariflöhne, bezahlbares Wohnen und gebührenfreie Bildung von der Kita bis zum Abschluss.
Ein Punkt, der bei Armut fast immer untergeht: Armut macht krank, auch seelisch. Junge Menschen warten bei uns oft monatelang auf einen Therapieplatz, und wer keine Eltern hat, die sich durchtelefonieren, wartet noch länger. Das ist der Bereich, in dem ich als Pflegefachkraft am meisten mitbringe, und da will ich im Landtag hin.