Linda Csutora

Linda Csutora

Wo feiern Sie am liebsten? Was ist für Sie ein feierlicher Ort?

Mecklenburg-Vorpommern ist bis auf einzelne Festivals und Veranstaltungen leider nicht gerade für eine große Partykultur bekannt. Gerade im ländlichen Raum fehlt es jungen Menschen oft an Orten, an denen sie einfach zusammenkommen können. Für mich persönlich muss Feiern aber nicht immer Club oder Großveranstaltung bedeuten. Ein Spieleabend mit Freunden kann genauso gut sein.
Ein feierlicher Ort ist für mich deshalb vor allem ein Ort, an dem Menschen gerne zusammenkommen und sich wohlfühlen. Egal ob auf einem Festival, bei einem Dorffest oder mit Freunden am Küchentisch.

Nutella-Brot mit oder ohne Butter?

Mit Butter. Ganz eindeutig.
Butter ist schließlich Geschmacksträger. Und wenn schon Nutella-Brot, dann auch richtig.
Über die Dicke der Butterschicht können wir dann noch demokratisch verhandeln.

Hinweis: Die Bundesspitze des BSW hat sich direkt an die AfD gewandt und Gespräche über eine Zusammenarbeit in einzelnen politischen Fragen vorgeschlagen. Der BSW-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern schließt eine Koalition mit der AfD und die Wahl eines AfD-Ministerpräsidenten aus. Gleichzeitig erklärt er, bei einzelnen Themen mit ihr zusammenzuarbeiten, wenn es inhaltliche Übereinstimmungen gibt.

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Bildung & Medien

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Wie schaffen wir faire Lernbedingungen für alle Schüler?

Wichtig ist zunächst, die unterschiedlichen Lernbedürfnisse der Schülerschaft anzuerkennen. Schule sollte dabei auch ohne langwierige Diagnostik handlungsfähig sein.
Wer sich beispielsweise mit Noise-Cancelling-Kopfhörern besser konzentrieren oder bei bestimmten Aufgaben mit Musik besser arbeiten kann, dem sollte das auch ermöglicht werden, solange andere dadurch nicht beeinträchtigt werden. Nicht jedes Kind lernt auf die gleiche Art und Weise.
Kinder können lernen. Wir müssen ihnen aber auch den Raum und die Möglichkeiten dafür geben. Dafür braucht es nicht immer komplizierte Programme oder umfangreiche neue Konzepte. Oft können schon einfache Mittel, mehr Flexibilität und ein stärkeres Eingehen auf individuelle Lernbedürfnisse viel bewirken.
Gleichzeitig braucht es natürlich ausreichend Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal, damit individuelle Förderung nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Schulalltag tatsächlich möglich ist.

Wie wollen Sie einen respektvollen und kompetenten Umgang von Lehrkräften zu Schülern sicherstellen?

Hier finde ich es wichtig zu differenzieren und Fehlverhalten nicht pauschal nur einer Gruppe zuzuschreiben. Respekt und vernünftige Kommunikation beruhen auf Gegenseitigkeit.
Gleichzeitig dürfen wir nicht ignorieren, unter welchen Bedingungen heute unterrichtet wird. Große Klassen, unterschiedliche soziale Hintergründe und individuelle Bedürfnisse verlangen der Lehrerschaft sehr viel ab. Das kann eine einzelne Lehrkraft nicht dauerhaft auffangen.
Deshalb halte ich die feste Einbindung von Schulsozialarbeit und weiteren pädagogischen Fachkräften für unumgänglich. Sie sollten keine Ausnahme oder ein zeitlich begrenztes Projekt sein, sondern dauerhaft zum Schulalltag gehören. Dazu gehört auch eine personelle Ausstattung, die zur tatsächlichen Zahl der Schüler passt.
Das entlastet die Lehrerschaft und sorgt gleichzeitig dafür, dass junge Menschen feste Ansprechpartner haben, wenn es Probleme gibt. Und natürlich muss auch klar sein: Wo Grenzen überschritten werden, muss die Schülerschaft ernst genommen werden und wissen, an wen sie sich wenden kann.

Wie wollen Sie die Qualität von Schulessen verbessern?

Zuallererst muss sichergestellt werden, dass jedes Kind Zugang zu einem vernünftigen Schulessen hat. Kein Kind darf mit leerem Magen im Unterricht sitzen, nur weil zu Hause das Geld dafür fehlt.
Bei Ausschreibungen sollten regionale Anbieter stärker berücksichtigt werden. Warum sollen Lebensmittel unnötig weit transportiert werden, wenn wir gute Produkte und Anbieter direkt in Mecklenburg-Vorpommern haben?
Schulessen muss ausgewogen und gesund sein, aber eben auch schmecken. Es bringt niemandem etwas, wenn auf dem Papier alle Ernährungsvorgaben erfüllt sind und am Ende die Hälfte des Essens im Müll landet. Deshalb sollte die Schülerschaft regelmäßig einbezogen werden und Rückmeldung zum Angebot geben können.
Gutes Schulessen ist für mich keine Nebensache, sondern Teil eines vernünftigen Schulalltags.

Wie stehen Sie dazu, Chinesisch oder andere wichtig werdende Sprachen an Schulen als zweite Fremdsprache anzubieten?

Grundsätzlich finde ich es richtig, das Fremdsprachenangebot weiterzuentwickeln. Englisch bleibt unverzichtbar, aber unsere Welt verändert sich und damit verändern sich auch die Sprachen, die wirtschaftlich und gesellschaftlich relevant sind.
Wenn an einer Schule ausreichend Interesse besteht und entsprechend qualifizierte Lehrkräfte vorhanden sind, spricht für mich nichts dagegen, beispielsweise Chinesisch als zweite Fremdsprache anzubieten.
Allerdings sollten wir dabei realistisch bleiben: Solange an vielen Schulen bereits Lehrkräfte für bestehende Fächer fehlen, bringt es wenig, immer neue Angebote zu beschließen, für die anschließend das Personal fehlt. Erst müssen die personellen Voraussetzungen stimmen, dann können wir das Angebot sinnvoll erweitern.

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Wie stehen Sie zu einem eigenen Unterrichtsfach „Medienbildung“?

Der Umgang mit Medien muss gelernt werden. Junge Menschen wachsen heute ganz selbstverständlich mit Smartphones, sozialen Netzwerken und inzwischen auch KI auf. Sie wissen häufig sehr gut, wie diese Angebote bedient werden, aber nicht zwangsläufig, wie sie sinnvoll genutzt werden, welche wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen und wo Gefahren lauern.
Deshalb bin ich dafür, Medienbildung verbindlich im Unterricht zu verankern. Dazu gehören für mich Datenschutz, soziale Netzwerke, Desinformation, Cybermobbing, Werbung und Algorithmen genauso wie der vernünftige Umgang mit künstlicher Intelligenz.
Ob dafür zwingend überall ein komplett neues Unterrichtsfach geschaffen werden muss oder ein verbindliches Konzept mit festen Unterrichtsstunden sinnvoller ist, sollte sich auch danach richten, was angesichts des Lehrkräftemangels tatsächlich umsetzbar ist. Entscheidend ist für mich: Medienbildung darf nicht davon abhängen, ob sich zufällig eine engagierte Lehrkraft darum kümmert.

Was wollen Sie gegen Pornografie mit KI (Deepfakes) im Internet machen?

Gerade bei pornografischen Deepfakes hört für mich der Spaß mit KI sehr schnell auf. Wenn ohne Zustimmung täuschend echte intime Bilder oder Videos einer Person erstellt und verbreitet werden, kann das für die Betroffenen massive Folgen haben.
Hier sehe ich unter anderem die Medienaufsicht und vor allem die Plattformbetreiber in der Verantwortung. Technische Möglichkeiten zur Erkennung von KI-generierten oder manipulierten Inhalten müssen konsequenter eingesetzt werden. Entsprechende Inhalte müssen schnell gemeldet, geprüft und entfernt werden können.
Vor allem brauchen Betroffene unkomplizierte Ansprechpartner und schnelle Hilfe. Es kann nicht sein, dass ein gefälschtes intimes Bild innerhalb weniger Minuten verbreitet wird und die betroffene Person anschließend wochenlang darum kämpfen muss, es wieder aus dem Netz zu bekommen.
Gleichzeitig gehört dieses Thema für mich zur Medienbildung. Junge Menschen müssen wissen, dass die Erstellung und Verbreitung solcher Inhalte kein harmloser Spaß ist und für die Betroffenen erhebliche Folgen haben kann.

Wie befähigen wir junge Menschen zu einem sicheren und konstruktiven Umgang mit KI?

Hier schließt sich für mich direkt Frage 6 an. KI gehört inzwischen zum Alltag und wird nicht wieder verschwinden. Ein Verbot oder die Hoffnung, dass die Schülerschaft sie einfach nicht benutzt, halte ich deshalb für den falschen Weg.
Junge Menschen müssen lernen, KI sinnvoll einzusetzen und ihre Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Dazu gehört beispielsweise: Woher kommen die Informationen? Kann eine KI falsche Antworten geben? Welche persönlichen Daten sollte ich nicht eingeben? Wo liegt die Grenze zwischen einem sinnvollen Hilfsmittel und dem bloßen Erledigenlassen einer Aufgabe?
Dabei darf KI eigenes Denken und Lernen nicht ersetzen.
Schule sollte KI deshalb weder verteufeln noch unkritisch feiern. Sie sollte jungen Menschen beibringen, damit vernünftig, kritisch und eigenständig umzugehen.

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Wie machen wir Mobilität für junge Menschen bezahlbar?

Mobilität entscheidet gerade in Mecklenburg-Vorpommern darüber, ob junge Menschen tatsächlich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Wer auf dem Dorf lebt, muss zur Schule, zur Ausbildung, zum Sport oder zu Freunden kommen können. Das muss auch ohne Eltern möglich sein, die ständig das Auto zur Verfügung stellen.
Deshalb unterstütze ich einen kostenfreien ÖPNV für Schulkinder und Auszubildende. Auch für weitere junge Menschen sollten wir Mobilität so bezahlbar wie möglich machen.
Dabei muss man aber auch ehrlich sagen: Ein kostenloses Ticket allein hilft wenig, wenn kein Bus fährt. Bezahlbare Mobilität und ein besseres Angebot gehören deshalb zusammen.
Finanziert werden muss das als Teil öffentlicher Daseinsvorsorge aus öffentlichen Mitteln. Wir finanzieren schließlich auch Straßen, weil Mobilität eine Voraussetzung für gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe ist. Gerade für junge Menschen sollte der Wohnort der Eltern nicht darüber entscheiden, wie mobil sie sein können.

Wie wollen Sie die ÖPNV-Anbindungen im ländlichen Raum und das Schienen- und Radwegenetz ausbauen?

Für Mecklenburg-Vorpommern ist das eine der entscheidenden Fragen. Wir können nicht überall einen Bus im Zehn-Minuten-Takt anbieten. Aber wir können dafür sorgen, dass Menschen im ländlichen Raum überhaupt zuverlässig von A nach B kommen.
Dazu braucht es einen besseren Ausbau und vor allem eine vernünftige Verknüpfung von Bahn, Bus, Rufbus-Angeboten und Radverkehr. Fahrpläne müssen aufeinander abgestimmt sein. Es bringt nichts, wenn der Bus am Bahnhof ankommt, fünf Minuten nachdem der Zug abgefahren ist.
Beim Schienennetz müssen bestehende Verbindungen erhalten und dort, wo es sinnvoll ist, stillgelegte Strecken beziehungsweise Haltepunkte wieder in den Blick genommen werden. Beim Radverkehr brauchen wir sichere und durchgängige Verbindungen zwischen Orten und nicht einzelne Radwegstücke, die plötzlich irgendwo enden.
Für mich ist entscheidend: Der ländliche Raum darf beim ÖPNV nicht danach bewertet werden, ob jede einzelne Verbindung Gewinn macht. Mobilität ist öffentliche Daseinsvorsorge. Wer möchte, dass junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bleiben, muss ihnen auch ermöglichen, ohne eigenes Auto mobil zu sein.

Wie wollen Sie bessere Standortfaktoren für Betriebe in M-V schaffen?

Mecklenburg-Vorpommern braucht gute Bedingungen für diejenigen, die hier bereits Unternehmen führen oder den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen. Dabei denke ich gerade an kleine und mittelständische Betriebe, Handwerker und Familienunternehmen. Sie bilden einen wesentlichen Teil unserer Wirtschaft und schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort.
Ein wichtiger Punkt sind für mich bezahlbare und verlässliche Energiepreise. Ein Betrieb kann auf Dauer nicht wirtschaftlich arbeiten, wenn die Energiekosten einen immer größeren Teil der Ausgaben ausmachen.
Gleichzeitig müssen Genehmigungsverfahren schneller und Bürokratie tatsächlich weniger werden. Unternehmer sollten ihre Zeit in ihren Betrieb und ihre Beschäftigten investieren können und nicht einen immer größeren Teil davon in Formulare und Dokumentationspflichten.
Auch die Infrastruktur gehört für mich zu guten Standortbedingungen. Dazu zählen vernünftige Straßen- und Schienenverbindungen genauso wie eine flächendeckende und stabile digitale Infrastruktur. Gerade im ländlichen Raum darf ein Betrieb keinen Standortnachteil haben, nur weil Breitbandausbau oder Mobilfunkversorgung nicht hinterherkommen.
Und wir müssen junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern halten. Dafür brauchen wir attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze mit vernünftigen Löhnen. Gute Standortpolitik bedeutet für mich deshalb nicht nur, neue Unternehmen anzulocken, sondern vor allem auch die Betriebe zu stärken, die bereits hier sind.

Wie können wir es jungen Menschen, die noch kein bzw. wenig Geld verdienen, erleichtern, günstigen Wohnraum zu finden?

Wohnen darf grundsätzlich kein Luxus sein, unabhängig vom Alter oder Einkommen. Gerade für junge Menschen, die sich noch in der Schule, Ausbildung oder im Studium befinden oder gerade erst ins Berufsleben starten, ist die Situation aber besonders schwierig. Wer wenig oder noch kein eigenes Einkommen hat, kann mit hohen Mieten kaum mithalten.
Wir brauchen deshalb insgesamt mehr bezahlbaren Wohnraum. Dazu gehört für mich, den sozialen und gemeinwohlorientierten Wohnungsbau zu stärken und vorhandenen Wohnraum zu erhalten beziehungsweise wieder nutzbar zu machen. Mit öffentlichen Mitteln geförderter Wohnraum sollte außerdem langfristig bezahlbar bleiben.
Gerade in Mecklenburg-Vorpommern sollten wir dabei nicht nur auf Neubau setzen. Während in größeren Städten und touristisch geprägten Regionen bezahlbare Wohnungen fehlen, gibt es andernorts Leerstand oder Gebäude, die saniert und wieder genutzt werden könnten. Hier müssen wir viel stärker regional denken.
Für die Schülerschaft, Auszubildende und Studierende können zusätzlich günstige Wohnheime und Azubi-Wohnangebote helfen. Wer für eine Ausbildung oder ein Studium umziehen muss, sollte nicht daran scheitern, dass am neuen Ort keine bezahlbare Wohnung zu finden ist.
Am Ende ist die Frage aber größer als die nach speziellen Angeboten für junge Menschen. Ein normales Einkommen muss wieder ausreichen, um sich eine vernünftige Wohnung leisten zu können. Wohnen gehört zur Grundversorgung und darf nicht zu einer Frage des Geldbeutels werden.

Wie können wir Schülern, Auszubildenden und Studierenden einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen?

Wir müssen jungen Menschen früher zeigen, welche Möglichkeiten sie tatsächlich haben. Berufsorientierung darf nicht erst kurz vor dem Schulabschluss anfangen und aus ein paar Flyern und einem einzelnen Praktikum bestehen.
Schulen und regionale Betriebe sollten stärker zusammenarbeiten. Praktika, Betriebserkundungen und direkte Kontakte können dabei helfen, Berufe kennenzulernen, von denen man vorher vielleicht noch nie gehört hat. Gerade Mecklenburg-Vorpommern bietet viele berufliche Möglichkeiten, die jungen Menschen teilweise gar nicht bekannt sind.
Dabei müssen Studium und berufliche Ausbildung endlich als gleichwertige Wege behandelt werden. Nicht jeder muss studieren, um einen guten Beruf und ein gutes Einkommen zu haben. Das Handwerk, die Pflege, technische Berufe und viele weitere Ausbildungsberufe werden dringend gebraucht.
Für Auszubildende gehört für mich außerdem die Frage der Mobilität dazu. Ein Ausbildungsplatz bringt wenig, wenn man ihn morgens ohne eigenes Auto nicht erreichen kann. Deshalb müssen Ausbildungsförderung, ein funktionierender ÖPNV und gegebenenfalls Wohnangebote zusammengedacht werden.
Auch der Übergang nach Ausbildung oder Studium sollte verbessert werden. Regionale Arbeitgeber, Hochschulen, Berufsschulen und Arbeitsvermittlung müssen stärker miteinander vernetzt werden.
Unser Ziel sollte sein, jungen Menschen eine Perspektive in Mecklenburg-Vorpommern zu geben, statt sie hier auszubilden und anschließend an andere Bundesländer zu verlieren.

Antworten von Linda​

Wo sehen Sie Ihre Verantwortung beim Rechtsruck und was werden Sie zukünftig dagegen tun?

Zunächst ist mir eine Differenzierung wichtig: Rechts beziehungsweise konservativ zu sein ist nicht automatisch gleichbedeutend mit Rechtsextremismus. Politische Einstellungen bilden ein Spektrum ab, und in einer Demokratie muss es möglich sein, unterschiedliche Positionen zu vertreten.
Ich empfinde den derzeitigen Umgang mit politischen Schlagwörtern teilweise als zu pauschal. Begriffe wie „rechts“, „links“ oder „extrem“ sollten nicht leichtfertig verwendet werden, um Menschen oder unbequeme Meinungen in eine bestimmte Ecke zu stellen. Sprache muss bedacht eingesetzt werden, gerade wenn wir politische Meinungsvielfalt erhalten wollen.
Wo allerdings tatsächlich menschenfeindliche oder extremistische Positionen vertreten werden oder Gewalt gerechtfertigt wird, müssen wir klar widersprechen. Extremismus und politische Gewalt dürfen wir nicht akzeptieren, unabhängig davon, aus welcher politischen Richtung sie kommen.
Meine Verantwortung sehe ich vor allem darin, Probleme offen anzusprechen, statt sie kleinzureden. Wenn Menschen das Gefühl bekommen, dass ihre Sorgen nicht mehr ausgesprochen werden dürfen oder von der Politik grundsätzlich nicht ernst genommen werden, stärkt das nicht das Vertrauen in unsere Demokratie.
Gleichzeitig müssen wir politische Bildung stärken und möglichst barrierefrei zugänglich machen. Demokratie funktioniert auf Dauer nur, wenn Menschen sich informieren, unterschiedliche Positionen kennenlernen, miteinander diskutieren und sich selbst eine Meinung bilden können.
Dafür möchte ich mich einsetzen.

Wie stehen Sie zum AfD-Verbotsverfahren?

Unsere Demokratie lebt von politischer Vielfalt und davon, dass unterschiedliche Meinungen ausgehalten und demokratisch miteinander ausgetragen werden.
Die AfD ist nicht ohne Grund stärker geworden. Viele Menschen sind unzufrieden mit der Politik der vergangenen Jahre. Sie fühlen sich mit ihren Problemen nicht gesehen oder haben das Vertrauen verloren, dass politische Entscheidungen noch etwas mit ihrem eigenen Alltag zu tun haben.
Ich halte ein Verbotsverfahren deshalb nicht für die richtige politische Antwort auf diese Entwicklung. Die Probleme, die Menschen zur AfD treiben, verschwinden dadurch nicht. Ebenso wenig verschwinden ihre politischen Ansichten.
Das bedeutet für mich ausdrücklich nicht, extremistische Positionen zu akzeptieren. Wo gegen Gesetze verstoßen oder unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung angegriffen wird, muss der Rechtsstaat konsequent handeln.
Die politische Auseinandersetzung mit der AfD muss meiner Ansicht nach aber vor allem politisch geführt werden. Wer möchte, dass weniger Menschen AfD wählen, muss bessere Politik machen.
Bezahlbare Energie und Lebensmittel, gute Löhne und Renten, bezahlbarer Wohnraum, funktionierende Schulen, eine vernünftige Gesundheitsversorgung und eine Politik, die auch den ländlichen Raum ernst nimmt. Damit gewinnt man Vertrauen zurück.
Politik für die Bürger wäre für mich deshalb ein wesentlich besserer Anfang, um die AfD politisch weniger attraktiv zu machen, als ihren Wählern den Eindruck zu vermitteln, ihre Wahlentscheidung solle auf juristischem Wege korrigiert werden.

Wie stehen Sie zu frei verfügbaren Periodenprodukten auf allen Toiletten?

Unbedingt.
Periodenprodukte stellen für Frauen und Mädchen einen regelmäßigen und nicht unerheblichen Kostenfaktor dar. Gerade Familien mit geringem Einkommen können durch die kostenlose Bereitstellung entlastet werden.
Für mich gibt es aber noch einen weiteren, ganz praktischen Punkt: Trotz der notwendigen Enttabuisierung der Periode ist das Thema gerade für junge Mädchen teilweise noch mit Scham verbunden. Wer seine Periodenprodukte vergessen hat oder unerwartet seine Periode bekommt, sollte nicht erst Mitschüler oder die Lehrerschaft danach fragen müssen.
Periodenprodukte sollten deshalb genauso selbstverständlich verfügbar sein wie Toilettenpapier oder Seife. Niemand sucht sich aus, seine Periode zu bekommen. Entsprechend sollte der Zugang zu den notwendigen Hygieneprodukten auch keine Frage des Geldbeutels oder des Mutes sein, jemanden danach fragen zu müssen.

In M-V gibt es immer mehr sehr arme und in Deutschland sehr reiche Menschen. Finden Sie das gerecht? Wenn nein, wie wollen Sie das ändern?

Nein, diese Entwicklung empfinde ich nicht als gerecht.
Gerecht wäre für mich allerdings auch nicht, dass alle Menschen exakt das Gleiche verdienen. Gerecht wäre, wenn alle Menschen von ihrem Einkommen vernünftig leben können und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben abgesichert ist.
Wer Vollzeit arbeitet, muss von seinem Lohn leben können. Dazu gehört, die Miete bezahlen zu können, Lebensmittel und Energie nicht ständig durchrechnen zu müssen und auch einmal mit den Kindern einen Ausflug machen oder in den Urlaub fahren zu können. Das sollte keine Vorstellung von Luxus sein, sondern Normalität.
Deshalb müssen insbesondere kleine und mittlere Einkommen entlastet und gute, tarifgebundene Arbeit gestärkt werden. Öffentliche Aufträge sollten aus meiner Sicht bevorzugt an Unternehmen vergeben werden, die ihre Beschäftigten ordentlich und nach Tarif bezahlen.
Gleichzeitig müssen wir die hohen Kosten für Wohnen, Energie und den täglichen Bedarf in den Blick nehmen. Es hilft wenig, wenn Löhne steigen, die zusätzlichen Einnahmen aber direkt durch höhere Mieten und Lebenshaltungskosten wieder aufgefressen werden.
Auf der anderen Seite halte ich es für richtig, sehr große Vermögen und sehr hohe Einkommen stärker an der Finanzierung unseres Gemeinwesens zu beteiligen. Dabei muss aber unterschieden werden: Ein mittelständischer Unternehmer, der über Jahrzehnte einen Betrieb aufgebaut hat und Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern sichert, ist etwas anderes als jemand, dessen Millionenvermögen hauptsächlich aus Kapitalerträgen oder großen Erbschaften besteht.
Für mich bedeutet soziale Gerechtigkeit deshalb nicht, jedem das Gleiche zu geben. Es bedeutet, dass Leistung sich wieder lohnt, niemand trotz Arbeit in Armut leben muss und diejenigen, die besonders viel haben, einen angemessenen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten.

 

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