Sabine Firnhaber

Sabine Firnhaber

 

Wo feiern Sie am liebsten? Was ist für Sie ein feierlicher Ort?

Für mich hängt ein feierlicher Ort vor allem vom Anlass und vom geschaffenen Ambiente ab. Das kann in der freien Natur sein, in einem Gebäude oder eben auch an einem ganz klassisch festlichen Ort. Am liebsten feiere ich dort, wo ich mich willkommen und wohlfühle und liebe Menschen um mich habe. Dann ist der eigentliche Ort für mich fast schon zweitrangig.

Nutella-Brot mit oder ohne Butter?

Brot mit Butter – aber ohne Nutella.

Hinweis: Die Bundesspitze des BSW hat sich direkt an die AfD gewandt und Gespräche über eine Zusammenarbeit in einzelnen politischen Fragen vorgeschlagen. Der BSW-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern schließt eine Koalition mit der AfD und die Wahl eines AfD-Ministerpräsidenten aus. Gleichzeitig erklärt er, bei einzelnen Themen mit ihr zusammenzuarbeiten, wenn es inhaltliche Übereinstimmungen gibt.

 

Antworten von Sabine

Bildung & Medien

Antworten von Sabine

Wie schaffen wir faire Lernbedingungen für alle SchülerInnen?

Indem wir tatsächlich gleiche Voraussetzungen schaffen. Für mich fängt das bei ganz grundlegenden Dingen an: Schülerverpflegung, die Erreichbarkeit der Schulen und Schülerbeförderung, Lernmittel und eine vernünftige Ausstattung dürfen nicht davon abhängen, wie viel Geld eine Familie hat oder wo ein Kind wohnt.
Genauso wichtig ist aber Unterstützung bei Problemen, die nicht materieller Art sind. Wir brauchen an unseren Schulen mehr Unterstützung bei psychischen Problemen, Mobbing, Gewalt oder Schwierigkeiten im Elternhaus. Deshalb wollen wir multiprofessionelle Teams mit Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und Gesundheitsförderung stärken. Auch kleinere Klassen und eine bessere individuelle Betreuung gehören für mich zu fairen Lernbedingungen. Jedes Kind sollte die Chance bekommen, seine Fähigkeiten zu entwickeln – unabhängig vom Geldbeutel und Elternhaus.

Wie wollen Sie einen respektvollen und kompetenten Umgang von Lehrkräften zu SchülerInnen sicherstellen?

Meiner Meinung nach reicht es nicht, einmal ein Studium absolviert zu haben und damit ist die Ausbildung abgeschlossen. Lehrkräfte müssen sich regelmäßig fortbilden – fachlich, aber eben auch im Umgang mit jungen Menschen. Sozialkompetenz, Kommunikation, Konfliktlösung und andere Softskills sind im Lehrerberuf mindestens genauso wichtig und müssen deshalb auch entsprechend gefördert und eingefordert werden.
Dazu braucht es an den Schulen Ansprechpartner und klare Strukturen, an die sich Schüler wenden können, wenn sie sich ungerecht oder respektlos behandelt fühlen. Wichtig ist mir dabei aber auch, die Lehrkräfte nicht allein zu lassen. Wer jeden Tag mit großen Klassen, Personalmangel und immer neuen zusätzlichen Aufgaben umgehen muss, braucht selbst Unterstützung und Entlastung. Respekt funktioniert am besten in beide Richtungen.

Wie wollen Sie die Qualität von Schulessen verbessern?

Qualität beim Schulessen ist für mich als Landwirtin natürlich ein ganz wesentliches Thema. Ernährung hat einen enormen Einfluss auf Gesundheit, Konzentration und Leistungsfähigkeit. Wenn wir von guten Bedingungen zum Lernen sprechen, gehört für mich deshalb auch dazu, was wir unseren Kindern jeden Tag zu essen geben: Es muss schmecken, ausgewogen und qualitativ hochwertig sein.
Dabei möchten wir als BSW viel stärker auf Regionalität setzen. Wo es möglich ist, sollten Lebensmittel aus der Region kommen und regionale Betriebe bei der Versorgung unserer Schulen eingebunden werden. Am liebsten wäre mir, wenn an deutlich mehr Schulen wieder vor Ort gekocht werden könnte.
Ich finde außerdem, dass man das wunderbar mit Ernährungsbildung verbinden kann. Das Wissen darüber, wo Lebensmittel herkommen, wie sie erzeugt und verarbeitet werden und wie man selbst vernünftig kocht, geht immer weiter verloren. Warum also nicht Schüler stärker einbeziehen und Schule auch an dieser Stelle wieder lebenspraktischer machen?
Natürlich kostet gutes Essen Geld. Für mich ist das aber keine unnötige Ausgabe, sondern eine Investition in Gesundheit, Bildung und letztlich in die Zukunft unserer Kinder. Und wenn wir gleichzeitig regionale Erzeuger und Verarbeiter stärken, bleibt ein größerer Teil dieses Geldes auch noch in Mecklenburg-Vorpommern. Und beim Kochen vor Ort, unter Einbeziehung der Schüler, investieren wir meiner Meinung nach am stärksten in unser aller Zukunft.

Wie stehen Sie dazu, Chinesisch oder andere wichtig werdende Sprachen an Schulen als zweite Fremdsprache anzubieten?

Das finde ich tatsächlich eine total spannende Idee, über die ich bisher noch gar nicht groß nachgedacht hatte. Meine eigene Schulzeit ist ja nun auch schon ein bisschen her. Chinesisch finde ich persönlich eine sehr interessante Sprache – allerdings stelle ich es mir auch ungeheuer anspruchsvoll vor, sie zu lernen.
Englisch halte ich nach wie vor für enorm wichtig und würde darauf auf keinen Fall verzichten wollen. Ob Chinesisch dann zweite oder dritte Fremdsprache sein sollte, würde ich ehrlich gesagt Fachleuten überlassen, die näher an den aktuellen Lehrplänen sind als ich.
Grundsätzlich finde ich aber, dass Schulen durchaus stärker Sprachen anbieten können, die international an Bedeutung gewinnen – wenn es dafür Interesse und entsprechend qualifizierte Lehrkräfte gibt. Fremdsprachenlernen vermittelt schließlich nicht nur eine Sprache, sondern eröffnet auch einen Zugang zu anderen Kulturen und trainiert Fähigkeiten, von denen man beim Erlernen jeder weiteren Sprache profitiert.

Antworten von Sabine

Wie stehen Sie zu einem eigenen Unterrichtsfach Medienbildung?

Das halte ich für ungeheuer wichtig. Medien sind ein immer größerer Teil unseres Lebens, und der vernünftige und verantwortungsvolle Umgang damit muss gelernt werden.
Dabei geht es für mich nicht nur darum, ein Tablet oder bestimmte Programme bedienen zu können. Junge Menschen müssen lernen: Wie erkenne ich seriöse Quellen? Was ist faktenbasierte Berichterstattung? Wie überprüfe ich eine Behauptung? Wie erkenne ich Manipulation? Wie funktionieren soziale Medien und ihre Algorithmen? Und wie bilde ich mir aus unterschiedlichen Informationen eine eigene Meinung?
Das kann man heute nicht mehr allein den Elternhäusern überlassen. Deshalb gehört Medienkompetenz für mich verbindlich in die Schule – ob als eigenes Fach oder als wirklich verbindlicher Bestandteil des Unterrichts, müsste man sich im Detail anschauen.

Was wollen Sie gegen Pornografie mit KI (Deepfakes) im Internet machen?

Ich halte das für eine ganz dramatische Entwicklung. KI wird immer leistungsfähiger und realistischer. Sie ist auf der einen Seite ein ungeheuer hilfreiches Werkzeug, das uns viel Arbeit abnehmen kann. Auf der anderen Seite kann sie missbraucht werden, um Menschen massiv zu schädigen und im schlimmsten Fall Existenzen zu zerstören.
Gerade sexualisierte Deepfakes sind für die Betroffenen eine massive Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte. Hier braucht es klare rechtliche Grenzen und eine konsequente Strafverfolgung. Entscheidend ist für mich aber auch, dass Polizei und Justiz technisch überhaupt in der Lage sind, solche Straftaten zu erkennen und zu verfolgen. Dafür brauchen wir entsprechend ausgebildete Spezialisten und ausreichende Kapazitäten.
Genauso wichtig ist Prävention: Junge Menschen müssen wissen, was technisch inzwischen möglich ist, wie schnell Bilder manipuliert werden können und dass das Erstellen und Verbreiten solcher Inhalte kein harmloser Spaß ist.

Wie befähigen wir junge Menschen zu einem sicheren und konstruktiven Umgang mit KI?

Das schließt für mich direkt an die Medienbildung an. Junge Menschen sollten KI nicht einfach nur benutzen können, sondern verstehen, was sie kann und was sie eben nicht kann. Dazu gehört zu wissen, dass eine KI überzeugend klingende Antworten geben kann, die trotzdem falsch sind, wie man Ergebnisse überprüft, welche Daten man besser nicht eingibt und wo Manipulation oder Diskriminierung entstehen können.
Gleichzeitig sollten wir KI nicht verteufeln. Sie bietet enorme Möglichkeiten. Junge Menschen müssen lernen, sie als Werkzeug sinnvoll einzusetzen, ohne das eigene Denken an sie abzugeben. Genau deshalb halte ich Medien- und Digitalkompetenz in der Schule für so wichtig.

Antworten von Sabine

Wie machen wir Mobilität für junge Menschen bezahlbar?

Für uns ist Mobilität Daseinsvorsorge. Deshalb wollen wir als BSW den öffentlichen Nahverkehr für Schulkinder und Auszubildende kostenfrei machen.
Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern ist Mobilität für junge Menschen enorm wichtig. Es geht dabei nicht nur darum, zur Schule oder Ausbildung zu kommen. Junge Menschen müssen auch Freunde treffen, zum Sportverein, zur Musikschule oder einfach am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Wer auf dem Dorf lebt und noch keinen Führerschein hat, darf deshalb nicht praktisch von seinen Eltern als Fahrdienst abhängig sein.

Wie wollen Sie die ÖPNV-Anbindung im ländlichen Raum sowie Schienen- und Radwegenetz ausbauen?

Wir halten den Ausbau und Erhalt der gesamten Verkehrsinfrastruktur für extrem wichtig. Dazu gehören Straßen und Brücken genauso wie Bahnstrecken, Busverbindungen sowie sichere Rad- und Gehwege.
Stillgelegte Bahnstrecken und ausgedünnte Busverbindungen müssen wir dort, wo entsprechender Bedarf besteht, wieder reaktivieren beziehungsweise neu denken. Gerade im ländlichen Raum brauchen wir dabei auch flexible Lösungen. Rufbusse halte ich beispielsweise für ein wirklich gutes Konzept.
Wenn man anhand solcher Angebote feststellt, dass zu bestimmten Zeiten regelmäßig viele Menschen dieselben Strecken benötigen, kann daraus wiederum ein regelmäßiges Angebot mit kleineren Sammelbussen entstehen. Wir müssen nicht überall einen großen Linienbus fast leer durch die Gegend fahren lassen. Entscheidend ist, dass die Menschen zuverlässig von A nach B kommen.
Beim Radwegenetz geht es für mich gerade auf dem Land auch um Sicherheit. Wenn Kinder zum Fußball oder zu Freunden ins Nachbardorf fahren wollen und dafür auf schmalen Landstraßen unterwegs sein müssen, auf denen Autos mit 100 km/h fahren, ist völlig verständlich, dass Eltern das nicht erlauben. Deshalb brauchen wir sichere Radverbindungen auch zwischen unseren Dörfern, nicht nur in den Städten.

Wie wollen Sie bessere Standortfaktoren für Betriebe in MV schaffen?

Ein ganz wesentlicher Faktor sind für mich bezahlbare und verlässliche Energiepreise. Energie verteuert am Ende nahezu jeden Produktionsprozess und trifft damit unsere Betriebe genauso wie die Verbraucher. Wir wollen deshalb unsere Energieversorgung technologieoffen weiterentwickeln, die großen Potenziale Mecklenburg-Vorpommerns bei erneuerbaren Energien stärker für die Menschen und Unternehmen vor Ort nutzen und Speicher und Netze entsprechend ausbauen. Auch Biogas kann dabei einen sinnvollen Beitrag leisten.
Gleichzeitig wollen wir Nord Stream reparieren und direkte Gaslieferungen aus Russland wieder ermöglichen. Unser Ziel muss eine sichere und bezahlbare Energieversorgung sein und nicht eine Energiepolitik, die unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb immer weiter belastet.
Aber Energie ist nicht alles. Wir wollen Bürokratie abbauen, Genehmigungen und Förderverfahren vereinfachen und Unternehmensgründungen und -nachfolgen erleichtern. Gerade kleine und mittelständische Betriebe dürfen nicht einen immer größeren Teil ihrer Zeit mit Formularen und Dokumentationspflichten verbringen.
Dazu kommen eine funktionierende Infrastruktur, schnelles Internet, gut ausgebildete Fachkräfte und eine stärkere regionale Wertschöpfung. Wir wollen, dass Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur gegründet werden, sondern hier auch dauerhaft eine Perspektive haben.

Wie können wir jungen Menschen, die noch kein bzw. wenig Geld verdienen, erleichtern, günstigen Wohnraum zu finden?

Wir brauchen deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum und sozialen Wohnungsbau – und dabei müssen junge Menschen, Auszubildende und Studierende ausdrücklich mitgedacht werden. Dazu wollen wir entsprechende Förderprogramme des Landes stärken und kommunale, gemeinnützige und genossenschaftliche Wohnungsanbieter unterstützen.
Gleichzeitig müssen wir uns anschauen, warum Bauen mittlerweile so teuer und langwierig geworden ist. Im Bereich des sozialen und studentischen Wohnungsbaus muss geprüft werden, inwieweit bestehende Bauvorschriften gegebenenfalls auch zeitlich befristet auf notwendige Mindeststandards reduziert werden können, um schneller und kostengünstiger neuen Wohnraum zu schaffen. Auch bei Umwelt-, Emissions- und Lärmschutzauflagen sollte geprüft werden, ob zeitlich befristete Vereinfachungen möglich sind, wenn bestehende Vorgaben die Schaffung dringend benötigten Wohnraums unverhältnismäßig erschweren oder verzögern.
Ich kann mir dabei durchaus auch Modelle vorstellen, bei denen bestimmte Anforderungen, soweit technisch und sachlich möglich, in einem zweiten Schritt erfüllt werden. Entscheidend ist für mich, dass wir pragmatischer werden und zunächst den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei notwendige Sicherheitsstandards infrage zu stellen.

Wie können wir SchülerInnen, Auszubildenden und Studierenden einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen?

Indem wir den Übergang von Schule, Ausbildung oder Studium in das Berufsleben viel besser begleiten. Berufsorientierung darf nicht erst kurz vor dem Abschluss anfangen. Junge Menschen sollten frühzeitig Betriebe und unterschiedliche Berufsfelder kennenlernen – durch Projekttage, Betriebsbesuche und Praktika.
Gleichzeitig müssen Schulen, Berufsschulen, Hochschulen und Unternehmen stärker zusammenarbeiten. Nicht jeder junge Mensch findet allein sofort den richtigen Weg. Deshalb brauchen wir Übergangsbegleitung und gezielte Unterstützungs- und Nachqualifizierungsangebote, wenn beispielsweise noch Kenntnisse in Sprache, Mathematik oder sozialen Kompetenzen fehlen.
Mir ist außerdem wichtig, dass wir Ausbildung wieder stärker wertschätzen. Ein Studium ist ein guter Weg, aber eben nicht der einzig gute. Wir brauchen Handwerker, Pflegekräfte, Techniker und viele andere gut ausgebildete Fachkräfte genauso dringend wie Akademiker.

Antworten von Sabine

Wo sehen Sie Ihre Verantwortung beim Rechtsruck und was werden Sie zukünftig dagegen tun?

Rechtsextremismus muss man klar benennen und ihm entgegentreten. Gleichzeitig halte ich es für einen Fehler, jeden Menschen, der aus Protest oder Enttäuschung AfD wählt, pauschal als rechtsextrem abzustempeln.
In meinen Gesprächen erlebe ich viele Menschen, die über Jahre oder teilweise Jahrzehnte das Vertrauen in die Politik verloren haben. Manche haben irgendwann gar nicht mehr gewählt und wählen heute AfD, weil sie das Gefühl haben, dass ihnen sonst niemand zuhört oder weil sie der bisherigen Politik einen Denkzettel verpassen wollen. Das bedeutet für mich nicht automatisch, dass diese Menschen selbst rechtsextrem sind.
Unsere Verantwortung als Politiker besteht deshalb auch darin, uns zu fragen, warum so viele Menschen das Vertrauen verloren haben. Pauschale Verurteilungen werden dieses Problem nicht lösen. Wir müssen zuhören, Probleme ernst nehmen und wieder eine Politik machen, bei der die Menschen spüren, dass sich konkret etwas für sie verbessert.
Wer einen sicheren Arbeitsplatz mit einem vernünftigen Einkommen hat, bezahlbar wohnen kann, sich in seinem Umfeld sicher fühlt und darauf vertrauen kann, dass seine Kinder eine gute Zukunft haben, ist weniger empfänglich für politische Radikalisierung. Deshalb gehören für mich soziale Sicherheit, funktionierende öffentliche Strukturen und eine offene demokratische Debattenkultur auch zum Kampf gegen Extremismus.
Ich sehe meine Verantwortung deshalb vor allem darin, Menschen ernst zu nehmen, Probleme nicht kleinzureden und eine Politik zu machen, die im Alltag tatsächlich etwas verbessert.

Wie stehen Sie zum AfD-Verbotsverfahren?

Ein AfD-Verbotsverfahren sehe ich sehr kritisch. Ein Parteiverbot ist in einer Demokratie ein extrem schwerwiegender Schritt und darf niemals davon abhängen, ob eine Partei politisch unbequem ist oder bei Wahlen stärker wird.
Wenn belastbar festgestellt wird, dass eine Partei aktiv darauf hinarbeitet, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu beseitigen, gibt es dafür selbstverständlich rechtsstaatliche Verfahren. Ob diese Voraussetzungen bei der AfD tatsächlich vorliegen, müssen die dafür zuständigen Institutionen und letztlich das Bundesverfassungsgericht anhand konkreter Erkenntnisse beurteilen.
Politisch halte ich es aber für wesentlich nachhaltiger, sich mit den Ursachen ihres Erfolgs auseinanderzusetzen. Wenn immer mehr Menschen eine Partei wählen, löst man das zugrunde liegende Problem nicht dadurch, dass man über ein Verbot spricht. Wir müssen vielmehr verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und den Menschen wieder eine glaubwürdige politische Alternative bieten.
Für mich gehört zu einer wehrhaften Demokratie deshalb beides: klare Grenzen gegenüber tatsächlichem Extremismus und gleichzeitig ein sehr zurückhaltender Umgang mit Parteiverboten. Politische Konkurrenz sollte grundsätzlich mit Argumenten, guter Politik und an der Wahlurne entschieden werden.

Wie stehen Sie zu frei verfügbaren Periodenprodukten auf allen Toiletten?

Frei verfügbare Periodenprodukte finde ich grundsätzlich gut. Wer unerwartet seine Periode bekommt und nichts dabeihat, sollte unkompliziert Zugang zu einem Hygieneprodukt haben. Gleichzeitig finde ich, dass wir bei der Umsetzung pragmatisch bleiben müssen.
Das sind Hygieneprodukte und Ressourcen, und deshalb brauchen wir Lösungen, bei denen sie sauber, geschützt und bedarfsgerecht zur Verfügung stehen und nicht einfach komplette Bestände mitgenommen oder beschädigt werden können. Kostenlose Spender oder Automaten können beispielsweise eine Möglichkeit sein.
Bei der Frage, ob solche Produkte zwingend auf jeder einzelnen Damen- und Herrentoilette angeboten werden müssen, würde ich nicht unnötig neue bauliche Vorschriften schaffen. Eine gemeinsame, gut zugängliche Stelle im Vorraum oder Sanitärbereich kann genauso eine Lösung sein. Damit könnten beispielsweise auch Transmänner unkompliziert Zugang erhalten, ohne kleine Betriebe oder Einrichtungen mit zusätzlichen baulichen Anforderungen zu belasten.
Mir ist wichtig: Das Ziel sollte ein einfacher und diskriminierungsfreier Zugang sein. Wie man das vor Ort am sinnvollsten löst, sollte aber praktikabel bleiben.

In MV gibt es immer mehr sehr arme und in Deutschland sehr reiche Menschen. Finden Sie das gerecht? Wenn nein, wie wollen Sie das ändern?

Nein, diese immer größere Schere finde ich nicht gerecht. Wobei ich ergänzen würde: Natürlich gibt es auch in Mecklenburg-Vorpommern sehr reiche Menschen. Ich stelle überhaupt nicht infrage, dass Menschen erfolgreich sein und sich Wohlstand erarbeiten dürfen. Leistung soll sich schließlich auch lohnen.
Problematisch wird es für mich dort, wo sich riesige Vermögen immer weiter vermehren, während andere Menschen trotz Arbeit kaum ihre Miete, Lebensmittel oder Energiekosten bezahlen können. Sehr große Vermögen müssen deshalb einen angemessenen Beitrag zum Gemeinwesen leisten.
Das Steuersystem ist für mich ein wichtiges Instrument für sozialen Ausgleich. Dabei geht es nicht darum, jemandem sein Einfamilienhaus oder den mittelständischen Familienbetrieb wegzunehmen, sondern tatsächlich um sehr große Vermögen.
Wer wirtschaftlich besonders erfolgreich ist, profitiert schließlich auch von der Gesellschaft – von Infrastruktur, Bildung, Rechtsstaat, gut ausgebildeten Arbeitskräften und öffentlicher Sicherheit. Deshalb finde ich es völlig legitim, von sehr Vermögenden auch einen entsprechend größeren Beitrag zu erwarten. Und, etwas salopp gesagt: Bevor andere nicht wissen, wie sie ihre Stromrechnung bezahlen sollen, darf man auch darüber reden, ob es wirklich noch die fünfte Yacht sein muss.

 

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